Minijobs: Für zu Viele der Weg in die Job-Sackgasse

Erstmals präsentiert der DGB Hamburg einen Minijob-Report für die Hansestadt.
Aus den Zahlen geht hervor, dass 177.000 Hamburger/-innen geringfügig beschäftigt sind. Seit dem Jahr 2003 bedeutet das eine Steigerung um 48 Prozent. Die meisten von ihnen – 60 Prozent – haben kein anderes Einkommen. Überproportional stark betroffen sind Frauen. Ein großer Teil der Minijobber/-innen sind zudem gut ausgebildete Fachkräfte: 40 Prozent haben mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung. Der Anteil der Akademiker/-innen ist auf mittlerweile zehn Prozent angewachsen. Und viel zu viele arbeiten unterhalb des eigenen Qualifizierungsniveaus.

Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger: „Minijobs sind keine Brücken in reguläre Beschäftigung, sondern führen in die Job-Sackgasse: Viele kommen da nicht mehr raus. Und wer dort festsitzt, bekommt häufig zu wenig Lohn, hat weniger Urlaub und wird in seinen Arbeitsrechten beschnitten. Aus dem Minijob wird dann auch noch die Minirente. Wir brauchen mehr Anreize, um Minijobs in reguläre Beschäftigung umzuwandeln. Dieses Fachkräftepotenzial wird leichtfertig verschenkt.“

Der DGB fordert:
– Unkenntnis ist eine große Hürde. Deswegen brauchen wir in Hamburg eine Beratungsstelle für Betriebe und Beschäftigte, die über die Folgen dieser Arbeit aufklären
– Minijobs müssen ab dem ersten Euro voll in die Sozialversicherung einbezogen sein
– die pauschale Besteuerung muss beendet und durch gezielte Steuerregelungen ersetzt werden
– Nachteile bei Teilzeittätigkeiten, z.B. bei Urlaub, Weiterbildung, Krankheit, müssen ausgeglichen werden

Die hohe Verbreitung von Minijobs ist ein Aspekt atypischer Beschäftigung, die wie ein großer Schatten auf dem Arbeitsmarkt in Hamburg liegt. Zwar stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr von 943.000 auf jetzt 964.500. Allerdings liegt der Anteil der atypisch Beschäftigten in Hamburg laut Daten der Hans-Böckler-Stiftung bei über einem Drittel. Arbeitslos gemeldet waren im März in Hamburg 67.028 Menschen.

Roland Kohsiek, Arbeitsmarktexperte bei ver.di: „Obwohl es Hamburgs Unternehmen gut geht, entstehen viele Jobs in Leiharbeit, Teilzeit oder sind nur befristet. Solch eine Entwicklung ist gefährlich, weil sie den Arbeitsmarkt spaltet und damit den sozialen Zusammenhalt gefährdet. Und sie nimmt den Menschen ihre Zukunftsperspektive. Die Beschäftigten brauchen eine gute, existenzsichernde Arbeit, mit Tarif und unbefristet.“

Katja Karger hat daher drei Forderungen an den neuen Bürgermeister Peter Tschentscher: „Hamburg braucht ein überarbeitetes, sozialintegratives Arbeitsmarktprogramm, das unter anderem die atypische Beschäftigung ins Visier nimmt. Zu den von ihm angekündigten zwölf Euro als niedrigster Lohn in den Unternehmen der Stadt muss bald Butter bei die Fische. Wir sind dazu schon in Gesprächen. Zudem ist eine bessere finanzielle Ausstattung der Jobcenter notwendig, damit Erwerbslose nicht länger verwaltet, sondern mit passenden Maßnahmen in Arbeit gebracht werden können.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.