Lyrik zur TeaTime: Doris Runge und Hannelies Taschau

Lyrik zur TeaTime
Doris Runge liest aus „die dreizehnte“
Hannelies Taschau liest aus „Männerkind“

Sonntag, 23.09.07, 17.00 Uhr
Literaturhauscafé, Schwanenwik 38

„Lyrik schreiben heißt, die Geschwätzigkeit abzubauen“ (Doris Runge). Einzigartig sind die Verse Doris Runges, die mit wenigen Worten, genauestens gesetzt, ganze Welten öffnen und von Erfahrungen berichten, die gemacht zu haben wir bislang nicht wussten.

bernsteinkette
die eingefangene
rollende zeit
das vergangene
blut blatt blühen
leuchtet
tiefe
stille
legt sich
um meinen hals
ein schöner
würgeengel
sagt mir
wie jung
wie vergänglich
ich bin

Heinrich Detering schrieb in der FAZ: „Den größten Beziehungsreichtum auf kleinstem Raum zu erzeugen, mit den sparsamsten Mitteln das Geheimnis auf der Oberfläche zu verbergen: das ist die Kunst von Doris Runge … das macht ihren Zauber aus …“ „… jedes einzelne Gedicht in „die dreizehnte“ bietet einen Moment der wahren Empfindung.“ (Hajo Steinert)
Hannelies Taschaus in der von Norbert Hummelt herausgegebenen Lyrikedition veröffentlichter Band „Männerkind“ enthält Gedichte, die eine Öffnung und eine Lust auf Geheimnisse und Beziehungen hervorrufen. Hier findet Leben in all seiner Komplexität als Dichtkunst statt.
ICH WERDE WACH ICH SEHE
sofort die Sterne und denke daran
zu bleiben
Was trennt mich von Euch Junge
Sterne sind kühler und strahlen
mehr infrarotes als sichtbares
Licht ab Was trennt mich von
euch es kann nicht wichtiger sein
als das was uns verbindet
Was die Entstehung eines Sterns
auslöst ist noch nicht bekannt

Hannelies Taschau ist eine präzise analysierende Lyrikerin, die mit ihrem feinen Sensorium das Herz der Dinge herauskristallisiert. Sie greift Stimmungen und Beziehungsgeflechte auf, die sie mit kunstvoller Lässigkeit zum Leuchten bringt.

Doris Runge lebt im holsteinischen Cismar. Für ihren ersten Gedichtband „jagdlied“ erhielt sie den Friedrich-Hebbel-Preis (1985). Es folgten mehrere Lyrikbände, zuletzt „du also“ (2003). Zuvor veröffentlichte sie den Essay „Welch ein Weib. Mädchen und Frauengestalten bei Thomas Mann“ (1998). Neben vielen anderen Auszeichnungen bekam sie 1997 den Hölderlin-Preis verliehen. 1999 wurde ihr die Poetikprofessur der Universität Bamberg übertragen.

Hannelies Taschau, in Hamburg geboren, lebt heute in Hameln. Seit 1967 freiberufliche Schriftstellerin. Die vielfach ausgezeichnete Autorin schreibt Gedichte, Erzählungen, Romane, Theaterstücke und Hörspiele. Zu ihren bekanntesten Werken gehören die Romane „Landfriede“, „Dritte Verführung“, „Das Sommerhaus“ und die Gedichtbände „Gefährdung der Leidenschaft“, „weg mit dem Meer“ und „Wundern entgehen“. Hannelies Taschau ist Mitglied des P.E.N.

Moderation: Charlotte Ueckert

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