LEA empfiehlt: Vorschulkinder an die Kitas!

Der Landeselternausschuss (LEA), der die Eltern der Hamburger Kita-Kinder vertritt, empfiehlt, Vorschulangebote künftig nicht mehr in Schulen, sondern nur noch an den Kitas stattfinden zu lassen. Wie aus den zuständigen Behörden zu hören ist, werden damit offene Türen eingerannt. Offenbar wird dort bereits intensiv an den Vorbereitungen für eine Verlagerung sämtlicher Vorschulangebote gearbeitet. Erstens ist dies billiger als die Betreuung an Schulen, zweitens findet es auch während der Schulferien statt, und drittens wird der Zubaubedarf für künftige Primarschulen gesenkt, wenn dort künftig keine Vorschüler mehr betreut werden.

Hier die heutige Mitteilung des LEA:

In der Pressemitteilung des Senats zur Haushaltskonsolidierung vom 27.11.2009 war im Bereich Kindertagesstätten zu lesen, dass „eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Sozial- und Bildungsbehörde (…) die Schnittstelle am Übergang zwischen Kita und Schule so klären (soll), dass es zukünftig nicht
mehr die Doppelung und damit Konkurrenz zwischen Kita- und Vorschulangebot gibt.“ Vor diesem Hintergrund empfiehlt der LEA, die Vorschulklassen an den Grundschulen abzuschaffen.

Wir kennen keine Studie, die den Vorschulen eine signifikant bessere Bildungsarbeit in Hinsicht auf Schulvorbereitung bescheinigt als den Kitas. Und die Kita hat dabei den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass das Kind den ganzen Tag über feste Bezugspersonen hat. Im System Vorschule/Anschlussbetreuung, auf das berufstätige Eltern angewiesen sind, findet dagegen ein Bruch statt: „Das Kind muss sich im Laufe des Tages auf neue Bezugspersonen und einen neuen Ort einstellen. Abgesehen davon ist eine Anschlussbetreuung nicht immer leicht zu finden und oft stellt der Transfer zwischen beiden Orten ein Problem dar“, stellt Jörg Gröndahl (Vorstandsmitglied) fest.

Auch sind die Schließungszeiten einer Kita (max. vier Wochen) nicht so umfangreich wie die der (Vor-)Schulen (12 Wochen). Hier bietet „Nur-Kita“ nur Vorteile.

Die Entscheidung für die Kitas hätte auch den Reiz, dass in den Schulen sowohl räumliche als auch personelle Kapazitäten frei würden, die für die Einführung der Primarschulen, die Einrichtung von Ganztagsschulen und vor allem für die Einführung der verlässlichen Schulkindbetreuung, die so
genannte Hortreform, genutzt werden könnten. So könnten z.B. einige Raumprobleme kostengünstig gelöst werden.

Aus unserer Sicht ist es aber unbedingt nötig, dass alle Kita-Träger Sicherung von Mindeststandards in allen Kitas treffen. Der LEA ist sich darüber einig, dass eine flächendeckend gute Qualität nötig ist, damit alle Kinder bei der Einschulung den Anforderungen der Schule gewachsen sind. Die Bildungsangebote aller Kitas müssen weiterentwickelt werden, um die 5- bis 6jährigen ihrem Entwicklungsstand und ihrer Neugier entsprechend fördern zu können.

In diesem Zusammenhang kritisiert der LEA, dass die im Koalitionsvertrag geplante umfangreiche Kita-Inspektion aus Kostengründen komplett zurückgefahren wurde. Seitens der Kita-Träger wurde der Vorschlag für ein relativ einfaches, einheitliches Qualitätssicherungsverfahren gemacht, das auf
Initiative des LEA um eine Elternbeteiligung ergänzt wurde. Nicht einmal diese „reduzierte Variante“ wurde von der BSG aufgegriffen und zur Umsetzung gebracht.

Unabhängig davon, wo die o.g. Arbeitsgruppe der BSG/BSB die Vorschüler ansiedeln wird, muss der Übergang Kita/Schule zweifellos verbessert werden. Eine engere Zusammenarbeit von Kita und Schule muss gegeben sein. „Im Fordergrund steht das Kind, nicht das Bildungssystem oder die Behördenzugehörigkeit!“, meint Claudia Wackendorff (Pressesprecherin). „Bei der Feststellung der Schulfähigkeit müssen alle Parteien: Kita, Schule und Eltern mit einbezogen werden. Gäbe es mehrere Einschulungstermine im Jahr, könnten die Bildungsstände der Kinder auch angemessen
berücksichtigt werden. Damit wäre auch das ‚Kann-Kind-Problem‘ entschärft.“

Ein Gedanke zu „LEA empfiehlt: Vorschulkinder an die Kitas!“

  1. Im Block heißt es „werden damit offene Türen eingerannt. Offenbar wird dort bereits intensiv an den Vorbereitungen für eine Verlagerung sämtlicher Vorschulangebote gearbeitet“

    Wichtig ist aber, dass dies auch durchdacht geschieht und nicht so heißgestrickt wie bei der verschobenen Hortreform.

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