IG Metall: Kfz-Tarifverträge erhalten

Die IG Metall Küste hat für die Beschäftigten im Kfz-Handwerk in Hamburg und Schleswig-Holstein den Erhalt des Flächentarifvertrages und eine angemessene Erhöhung der Einkommen gefordert. Zugleich kritisierte die Gewerkschaft die Entscheidung der Kfz-Innungen in Hamburg und Schleswig-Holstein, künftig keine Tarifverträge mehr abschließen zu wollen. „Dadurch wird bei den Löhnen eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, an deren Ende es nur Verlierer geben wird“, erklärte Jutta Blankau, Bezirksleiterin der IG Metall Küste.

Nach Ansicht der Gewerkschaft stehen solche Ankündigungen im krassen Widerspruch zu der 50 Millionen Euro teuren Imagekampagne des Handwerks: „Das Geld kann sich das Handwerk sparen. Kunden und Arbeitnehmer werden schnell merken, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht übereinstimmen“, so die IG Metall-Bezirkschefin. Mit unterbezahlten und demotivierten Beschäftigten, denen der Schutz des Flächentarifvertrages fehle, werde das Kfz-Handwerk seine Zukunft nicht erfolgreich gestalten können.

„Im Gegensatz zu anderen Branchen ist das Kfz-Gewerbe bislang verhältnismäßig glimpflich durch die Krise gekommen“, sagte Blankau. Ein Grund sei die von der IG Metall angeregte „Abwrackprämie“, die der Branche im vergangenen Jahr mehr Umsatz und Ertrag gebracht habe. „Davon müssen jetzt auch die Beschäftigten profitieren“, so die Gewerkschafterin.

Um für mehr Transparenz im Kfz-Handwerk zu sorgen, hat die IG Metall Küste ein Bewertungsportal für Betriebe im Internet gestartet: Auf www.autohaus-fair.de bewerten Beschäftigte ihren Arbeitgeber. Kunden können sich so darüber informieren, ob in dem Unternehmen ein Betriebsrat besteht, die Tarifverträge gelten und eingehalten werden, ob es Auszubildende gibt und wie das Betriebsklima ist. „Beschäftigte und Kunden sehen auf einen Blick, in welchem Autohaus faire Arbeitsbedingungen gelten. Das ist dringend notwendig, da das Logo der Kfz-Innungen in Hamburg und Schleswig-Holstein künftig nicht mehr für faire Arbeitsbedingungen mit Tarifverträgen steht“, sagte die IG Metall-Bezirksleiterin.

In Hamburg beginnen die Tarifverhandlungen für das Kfz-Handwerk am 10. Mai 2010. Verhandlungspartner ist künftig nicht mehr die Innung, sondern der Landesverband des Kfz-Gewerbes, der in seine Satzung die Wahlmöglichkeit der Mitgliedschaft „ohne Tarifbindung“ (OT) aufgenommen hat.

Für Schleswig-Holstein ist noch kein Verhandlungstermin vereinbart. Die IG Metall Küste rechnet jedoch mit einer Aufnahme der Verhandlungen im Mai 2010. Für Tarifverträge soll in Schleswig-Holstein ein eigens zu diesem Zweck gegründeter Verein zuständig sein.

In beiden Bundesländern wollen nach derzeitigem Stand nur noch eine geringe Zahl von Betrieben – jeweils etwa zehn – die Tarifbindung erhalten. Deshalb ist auch die Zahl der Beschäftigten, für die künftig Tarifverträge gelten, unklar. Insgesamt arbeiten im Kfz-Handwerk in Hamburg etwa 10.000 und in Schleswig-Holstein rund 15.000 Beschäftigte.

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