Grundschulverband: Reform nicht verwässern!

Während Vermittler Dr. Otto weiter Gespräche führt und sich Schulsenatorin Goetsch und WWL-Sprecher Scheuerl erstmals treffen wollen, macht sichbei allen Befürwortern einer guten Schule Sorge breit: Ein Kompromiss, der es allen Recht machen soll, würde die Reform vermutlich nachhaltig beschädigen. Jetzt hat sich erneut der Grundschulverband zu Wort gemeldet – in einem Offenen Brief an Bürgermeister von Beust, die Schulsenatorin sowie an Moderator Dr. Otto.

Dies ist der komplette Brief des Grundschulverbands:

Der Vorstand des Grundschulverbandes unterstützt das Bemühen des Hamburger Senats und der Behörde für Bildung und Sport, eine umfassende Schulreform umzusetzen, mit der ein längeres gemeinsames Lernen für alle Kinder hergestellt wird. Die geplante Einführung einer sechsjährigen Primarschule ist für uns ein Zeichen dafür, dass aus Erfahrungen entwickelte und mit wissenschaftlichen Methoden bestätigte Erkenntnisse endlich Berücksichtigung finden.

Bereits im Jahre 2001 hatte der Grundschulverband zusammen mit dem Gesamtschulverband eine gemeinsame Grundsatzposition zum Längeren gemeinsamen Lernen formuliert (siehe www.grundschulverband.de Stichwort: Standpunkte).

Die nach dem ersten Weltkrieg eingeführte Grundschule war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Schule weg vom ständestaatlichen hin zum demokratisch organisierten Bildungswesen, war aber bereits ein bildungspolitischer Kompromiss. In fast allen europäischen Ländern lernen heute Kinder sechs oder mehr Jahre gemeinsam. In der Hälfte der Länder lernen sie sogar gemeinsam bis zum Ende der Pflichtschulzeit. Im internationalen Vergleich spielt das in Deutschland gängige gegliederte Schulwesen nur noch eine untergeordnete Rolle.

Hamburg hat sich auf den Weg gemacht, nicht nur die Schulstruktur des allgemeinen Bildungswesens zu reformieren. Die mit der Reform verbundene inhaltliche Ausgestaltung in der Rahmenkonzeption respektiert die Verschiedenheit der Kinder und die Unterstützung jedes einzelnen Kindes in dessen
Gesamtentwicklung.

Die Primarschule wird damit der Heterogenität, also unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen, unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichem Wissen und Können von Kindern und Jugendlichen, besser gerecht als bisher die Grundschule und das gegliederte weiterführende Schulwesen dies konnten.

Mit der Schulreform nimmt Hamburg eine Vorreiterrolle in ganz Deutschland ein, um mehr Bildungsgerechtigkeit herbeizuführen, Schülerinnen und Schüler in ihrer Gesamtentwicklung zu fördern und zum lebenslangen Lernen anzuregen.

Wir treten dafür ein, dass sich die Verantwortlichen in Hamburg den in der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und GAL bemerkenswerten erarbeiteten Kompromiss ohne Aufschiebung und Aufweichung umsetzen können und sich die Initiatoren des Volksbegehrens den Argumenten für diese Schulreform nicht länger verschließen.

Dr. Horst Bartnitzky
Vorsitzender des Grundschulverbandes

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