Gefahr einer Rezession leicht gesunken

Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten in konjunkturelle Turbulenzen gerät, ist nach einem deutlichen Anstieg im April zuletzt wieder etwas zurückgegangen. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

Für den Zeitraum von Mai bis Ende Juli weist das Frühwarninstrument, das die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, eine mittlere Rezessionswahrscheinlichkeit von 27,3 Prozent aus. Im April hatte das Rezessionsrisiko bei 32,4 Prozent gelegen.

Der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator springt von „gelb“ wieder auf „grün“ und signalisiert damit keine Rezessionsgefahr (Rezessionswahrscheinlichkeit unter 30 Prozent). Allerdings ist nach Einschätzung von Prof. Dr. Gustav A. Horn, dem wissenschaftlichen Direktor des IMK, noch nicht sicher einzuschätzen, wie der Trend in den kommenden Monaten aussehen wird. „Die gute Nachricht ist: Die Befürchtung, dass die deutsche Konjunktur in einen raschen Abschwung geraten könnte, hat sich nicht bestätigt. Wir sehen in den Daten sogar einige Indizien dafür, dass das Rezessionsrisiko in den kommenden Monaten weiter langsam sinkt. Die deutsche Wirtschaft profitiert nach wie vor davon, dass gute Arbeitsmarktdaten und steigende Löhne die Binnennachfrage antreiben. Deshalb ist der Aufschwung weitaus unempfindlicher gegen weltwirtschaftliche Verwerfungen als noch vor zehn Jahren und wenn diese Stabilitätskräfte weiter wirken, sind wir optimistisch, dass er sich fortsetzt“, sagt Horn. „Die schlechte Nachricht hat einen Namen: Donald Trump. Geopolitische Unsicherheiten und auch die weiter schwebende Entscheidung über US-Importzölle trüben zumindest die Stimmung in der Wirtschaft weiterhin ein. Hält dieser Prozess an, werden die Sorgen um die Konjunktur wieder zunehmen.“

Die aktuelle leichte Entspannung beim Rezessionsrisiko erklärt das IMK mit einem Mix aus drei Faktoren: der Industrieproduktion, die sich zuletzt etwas erholt hat, einem leichten Anstieg der Auftragseingänge aus dem Inland und dem weiterhin ausgesprochen günstigen Finanzierungsumfeld für deutsche Unternehmen. Unverändert negativ wirken sich Stimmungsindikatoren wie der ifo-Index auf den IMK-Indikator aus.

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt dabei die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Frühwarnsystem signalisiert eine Rezession, wenn die Industrieproduktion in einem Zeitraum von fünf Monaten um mindestens ein Prozent schrumpft.

Der IMK-Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

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