Filmschaffende wollen tariftreue Produktionen

Und jetzt noch die Verpflichtung zur Tariftreue!„, fordert die Filmunion Nord als Reaktion auf die Nachricht, dass die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) mehr Geld für Serienförderung bekomme, nachhaltiges Produzieren zur Pflicht mache und mit einer Checkliste für das Thema Diversität sensibilisieren werde. Das sei gut und schön für den Filmstandort, aber bei den Vergabekriterien fehlten die entscheidenden Punkte: „Wir sagen: Nur Produktionen, die sich zum Tarifvertrag und zu sozialen Standards bekennen, dürfen Förderung – also öffentliches Geld – erhalten,“  so ver.di- Gewerkschaftssekretärin Tina Fritsche im Namen des ehrenamtlichen Vorstands der in der FilmUnion in ver.di gewerkschaftlich organisierten Filmschaffenden. 

Ob Maske, Kamera, Aufnahmeleitung, Bühne oder all die anderen Gewerke: Die Menschen, die vor und vor allem hinter der Kamera stehen, die die Filme für Kino und Fernsehen erschaffen, tun dies mit Leidenschaft und Fachkenntnis. Allerdings wird die Arbeit am Set zunehmend unattraktiver.“ Zu viele Produktionsfirmen kalkulieren sehr knapp mit Mindestgagen bei Wochenarbeitszeiten mit weitaus mehr als 50 Stunden, zu viele ignorieren den Tarifvertrag (TV FFS) oder picken sich gesetzeswidrig nur das für sie Beste heraus. In der Film-und Fernsehbranche wird mit auf Produktionsdauer befristeten Verträgen gearbeitet. Trotz immer weniger und längerer Drehtage sollen die Beschäftigten gleichbleibend gute Qualität produzieren.

Es ist nicht akzeptabel, dass öffentliche Gelder an Firmen fließen, bei denen nicht gesichert ist, dass sie sich an soziale Standards halten“, so ver.di-Sekretärin Tina Fritsche. „Weil die Arbeit am Set nur schwer mit Familie und sozialem Leben vereinbar ist und auch weil Aus- und Weiterbildungsangebote fehlen, entscheidet sich der Nachwuchs für andere Berufe und auch erfahrene Filmschaffende verlassen das Set als Arbeitsort. Verbindliche soziale Standards und Tarifbindung sind nicht nur mit Blick auf gesellschaftliche Gerechtigkeit wichtig, sondern sie sind auch eine notwendige Antwort auf den massiven Fachkräfte- und Nachwuchsmangel in der Filmbranche.“

Die FFHSH habe immer wieder gesellschaftliche Verantwortung gezeigt und bewiesen, dass sie in der Lage ist, auch anfangs in der Branche schwer zu vermittelnde Maßnahmen wie den Grünen Drehpass umzusetzen, so Tina Fritsche weiter. Selbstverständlich müsse Fördergeld die Anforderung an ressourcenschonende und umweltverträgliche Nachhaltigkeit erfüllen. Das gelte aber genauso für die Nachhaltigkeit bei den Arbeitsbedingungen. Bei Investitionen und Aufträgen aus der öffentlichen Hand sei dies mittlerweile bereits weitgehend akzeptiert: „Warum sollen dann gerade bei der Filmförderung die Arbeitsbedingungen und Sozialstandards ausgeblendet werden? Wenn die Filmförderung nun bereit ist, das nächste dicke Brett in Richtung Nachhaltigkeit und Zukunft zu bohren, kann sie sich auf uns mit unserer branchenbezogenen, sozialpolitischen und arbeitsrechtlichen Expertise verlassen.“

ver.di setzt sich seit Jahren für die Verankerung sozialer Standards in den Filmförderungen ein, unter anderem auf Bundesebene zum Beispiel bei der Novellierung des Filmförderungsgesetzes.

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