Die Schwächsten tragen das größte Risiko

Während Innensenator Christoph Ahlhaus den Rückgang der Unfallopfer im Straßenverkehr um 2% bejubelt, stellt Dr. Joachim Bischoff, Abgeordneter im Stadtentwicklungsausschuss, fest: „Die Zahlen belegen, dass der Verkehr zu Lasten der schwächsten Teilnehmer geht. Deshalb benötigen sie mehr Schutz und Parteinahme in der Verkehrspolitik.“

Senioren, Kinder und Radfahrer sind die Hauptbetroffenen. Die Zahl der verunfallten Kinder ist sogar wieder gestiegen. Dass bei Radfahrern, die gerade mal 12% des Verkehrsanteils ausmachen, 25% aller Unfälle zu verzeichnen sind, zeigt wie dringend nötig der Schutz des Radverkehrs durch eigene Fahrspuren und eine generelle Aufwertung im Straßenverkehr ist. Neben Radfahrern fühlen sich auch Kinder und Senioren im Straßenverkehr oft von rücksichtlosen PKW und LKW Fahrern genötigt.

Martina Gregersen, verkehrspolitische Sprecherin der GAL-Bürgerschaftsfraktion, sieht hingegen „erfreuliche Tendenzen“: „Das Augenmerk muss weiterhin darauf liegen, dass die Zahl der Verkehrstoten sinkt. Zwar ist die Zahl auch in Hamburg zurückgegangen, sie ist im Bundesvergleich aber immer noch zu hoch. Positiv ist, dass deutlich weniger Motorradfahrer verunglückt sind. Das Aufklärungsprogramm der Polizei scheint hier zu greifen. Wir müssen aber innovative Konzepte entwickeln, um die Unfallzahlen zu reduzieren. Ein solches Konzept ist beispielsweise die Idee der Gemeinschaftsstraßen. Die gegenseitige Rücksichtsnahme aller Verkehrsteilnehmer kann hier helfen, die Unfallrate zu senken. Weiterhin muss vor allem die Zahl verunglückter Kindern wieder sinken. Erfreulich ist die Tendenz beim Radverkehr: Obwohl mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs waren, gab es im vergangenen Jahr weniger Radfahrunfälle.“

Noch positiver sieht es die Sprecherin der SPD, Verkehrsexpertin Martina Koeppen. Sie hat den generellen Trend der aktuellen Verkehrsunfallstatistik begrüßt. „Die Zahlen sind positiv. Die Bilanz kann sich sehen lassen“, sagte Koeppen.

Sorge bereite ihr aber die hohe Zahl von Unfällen unter Einfluss von Alkohol und Drogen. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) und Justizsenator Till Steffen ihren Streit um die Praxis der Blutentnahme bei alkoholisierten Autofahrern zügig beilegen. „Es muss ein deutliches Signal geben, dass alkoholisiertes Fahren mit aller Härte verfolgt wird. Es darf nicht sein, dass die Zahl der registrierten Alkohol-Unfälle in Zukunft nur deshalb zurück geht, weil immer weniger Blutentnahmen stattfinden“, sagte Koeppen.

Sie mahnte gleichzeitig, den Schutz von schwachen Verkehrsteilnehmern wie Kindern und alten Menschen nicht zu vernachlässigen. „Verkehrspolitik betrifft nicht nur große Infrastrukturprojekte. Verkehrspolitik betrifft auch die Bedürfnisse der Menschen in den Stadtteilen“, sagte Koeppen.

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