Busse: Fahren o.k., aussteigen mit Risiko

Viele Hamburger Bushaltestellen befinden sich in einem desolaten Zustand. Insgesamt 173 Bushaltestellen sind gegenwärtig in der Prioritätenliste für „Bushaltestellen mit Handlungsbedarf“ als noch nicht saniert geführt, so das Ergebnis einer Kleinen Anfrage der beiden SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Ole Thorben Buschhüter und Karin Timmermann. Und ständig kommen neue hinzu.

Der Senatsantwort zufolge befinden sich derzeit 47 Bushaltestellen in Bearbeitung, 80 sollen in den nächsten Jahren angegangen werden, für 46 Bushaltestellen ist noch keine Perspektive erkennbar. „Viele ältere Bushaltestellen werden den heutigen Belastungen nicht mehr gerecht. Größere Busse und dichtere Takte setzen den Bushaltestellen sehr zu“, kritisierte Buschhüter. Angesichts der erfreulicherweise ständig steigenden Nachfrage nach öffentlichen Verkehrsmitteln befürchtet er, dass die Schäden weiter zunehmen werden, die Stadt mit der Sanierung aber nicht hinterherkommen wird.

„Seit 2001 wurden 83 Bushaltestellen saniert. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, wird es noch eine halbe Ewigkeit dauern, bis auch die bereits heute desolaten 173 Bushaltestellen saniert sind“, ergänzte die verkehrspolitische Sprecherin Karin Timmermann. Sie befürchtet sogar, dass es in Zukunft häufiger zu kompletten Sperrungen von Busbuchten kommen wird, wie im Sommer 2006 z.B. in Steilshoop, wo mehrere Busbuchten wegen Unbefahrbarkeit gesperrt werden mussten. Und es hat dann über zwei Jahre gedauert, bis mit deren Sanierung endlich begonnen werden konnte.

Buschhüter und Timmermann fordern deshalb, der Sanierung der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur einen größeren Stellenwert beizumessen. Aus ihrer Sicht spielt der Senat das Problem herunter: „Für 46 kaputte Bushaltestellen sieht der Senat nur geringen Handlungsbedarf. Dabei sind viele dieser Haltestellen bereits heute nur noch Flickwerk“, so Buschhüter und Timmermann. 30.000 bis 50.000 Euro kostet die Sanierung einer Bushaltestelle am Fahrbahnrand, die Sanierung einer Busbucht bis zu 100.000 Euro. „Legt man diese Zahlen aus der Senatsantwort zugrunde, dann haben wir es mit einem Sanierungsstau von bis zu 15 Millionen Euro zu tun.“

Als problematisch erweisen sich kaputte Bushaltestellen besonders für ältere und gehbehinderte Fahrgäste. Diese sind auf einen möglichst geringen Höhenunterschied zwischen Bordsteinkante und Buseinstieg angewiesen. Haben sich Bushaltestellen infolge zu hoher Belastungen stark verformt, wird der Ein- und Ausstieg zur Herausforderung.

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