Blohm + Voss: Betriebsrat fordert Erhalt der Arbeitsplätze

Vorne zweiter von rechts: Betriebsratschef Murat Acerüzümoglu
Exklusiv-Interview mit Murat Acerüzümoglu, Betriebsratschef bei Blohm + Voss, zum angekündigten Personalabbau auf der Hamburger Traditionswerft

Ende Februar kam die erschreckende Nachricht, die die Beschäftigten bei Blohm + Voss genauso plötzlich und unvorbereitet traf wie die Hamburger Öffentlichkeit: Bei dem Schiffbauer sollen nach den Plänen des neuen Eigentümers, der Bremer Lürssen-Gruppe, fast jeder dritte Arbeitsplatz wegfallen, insgesamt rund 300 Jobs. Zusätzlich verlangt das Management von den verbleibenden Mitarbeitern den zeitweisen Verzicht auf Gehaltserhöhungen. hh-heute sprach exklusiv mit dem Betriebsratschef Murat Acerüzümoglu:

Lieber Murat, die Ankündigung des Personalabbaus nach dem Eigentümerwechsel zur Lürssen-Gruppe und die Forderungen des neuen Managements nach Lohnkürzungen hat Euch unvermittelt getroffen, da Ihr in die Verkaufsgespräche nicht einbezogen wart. Wie ist jetzt, rund fünf Wochen später, die Stimmung bei Euch in der Belegschaft? Welche weiteren Aktionen plant Ihr?

Aktuell befindet sich der Betriebsrat in den Verhandlungen zu Sozialplan und Interessenausgleich, und wir versuchen, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten. Die Stimmung ist schlecht; alle Mitarbeiter sind verunsichert und teilweise auch verärgert, weil nach der Ankündigung der Entlassungen gleich die Forderung nach Anpassung von Entgelt und Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld hinterherkam. Die Mitarbeiter haben ihre Arbeit gemacht und können nichts für Managementfehler; trotzdem müssen sie darunter leiden. Und hinter jedem Kollegen steht ein Schicksal und eine Familie. Zu Aktionen kann ich mich aktuell nicht äußern; das ist abhängig vom Verlauf der nächsten Wochen. Anlässlich der Maritimen Konferenz waren wir bereits kurzfristig mit einer kleinen Demo auf der Straße.

Was sind Eure Forderungen an den Eigentümer und die Geschäftsleitung, und wie kann der Hamburger Senat helfen?

Wir fordern den Standorterhalt, den Erhalt von Arbeitsplätzen, und zwar möglichst allen; wir wünschen uns Aufträge und einen fairen Umgang mit der Belegschaft. Blohm+Voss gehört zu Hamburg, und wir erwarten vom Senat, dass er uns in unserem Kampf unterstützt und mit dafür sorgt, dass Blohm+Voss eine starke Werft bleibt.

Ihr habt mit Eurer Demonstration am Montag darauf gedrängt, dass das Thema auch bei der Maritimen Konferenz, die aktuell in Hamburg tagt, zur Sprache kommt. Wie bewertest Du diesbezüglich den Verlauf und die Ergebnisse der Konferenz?

Die Konferenz war inhaltlich hauptsächlich auf andere Themen ausgerichtet, und wir sind nicht das einzige Unternehmen in der maritimen Wirtschaft, das mit Problemen kämpft. Wir wünschen uns einfach generell mehr Unterstützung. Blohm+Voss darf nicht sterben; das war einer unserer Slogans bei der Demo, und wir erwarten von Politik und den Verantwortlichen, dass sie etwas für den Standort Deutschland und natürlich für Hamburg tun. Ob die Konferenz etwas gebracht hat, wird man erst in einigen Monaten sehen.

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