Bauer: Per Handelsregister gegen Betriebsrat

Ein wenig entspanntes Verhältnis zwischen Betriebsrat und Verlagsleitung gab es beim Bauer-Verlag eigentlich schon immer. Eine neue Note im Umgang mit den Betriebsratswahlen lernen Gewerkschafter vom Bauerverlag in Hamburg jetzt kennen.

Erst zu Beginn des Jahres hatte der Verleger Heinz Heinrich Bauer sein Medienunternehmen in zwei Konzerne aufgeteilt. Etliche neugegründete GmbHs wechselten als Redaktionsgesellschaften mit knapp 1.000 Beschäftigten zu Yvonne Bauer, der dritten Tochter des Hamburger Milliardärs. Nur drei Wochen später bildeten die Übergangsbetriebsräte einen neuen Konzernbetriebsrat, parallel wurden die regulären Betriebsratswahlen eingeleitet, die alle vier Jahre stattfinden.

In der Bauer Living GmbH, einem Betrieb des neuen Yvonne Bauer Konzerns, wurde die Redaktion Selbst ist der Mann mit Sitz in Köln mit den Hamburger Redaktionen der ehemaligen Carat KG*, zusammengefasst. Aus Köln fanden sich auch zwei Redakteure, die für den neuen Betriebsrat kandidierten. Als Wahltag setzte der Wahlvorstand den 14.April fest.

Am 8. April wurden die noch amtierende Betriebsratsvorsitzende und die Wahlvorstandsvorsitzende zur Hamburger Geschäftsleitung zitiert. Zu exakt der gleichen Uhrzeit wurde eine Konferenz für die Redaktion Selbst ist der Mann in Köln angesetzt. Die Informationen, die alle erhielten, waren identisch: Zum 12. April würde die Kölner Redaktion in die Do it yourself GmbH übergehen, die bislang am Markt noch nicht tätig war. Damit sei der bevorstehenden Betriebsratswahl „die sachliche Grundlage“ entzogen, ließ die Geschäftsleitung mitteilen.

Für den Geschäftsführer des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) Stefan Endter ist der Fall klar: „Auffällig ist der zeitliche Zusammenhang zwischen der Betriebsratswahl und der GmbH-Gründung.“ – Wolfgang Kreider von der Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ergänzt. „Wir empfehlen dem Wahlvorstand, prüfen zu lassen, ob dies eine Behinderung von Betriebsratswahlen ist!“

ver.di und DJV fordern die Leiterin des Redaktions-Konzerns, Yvonne Bauer, und den Geschäftsführer der Bauer Living GmbH, Sven-Olof Reimers, auf, diese Entscheidung zurückzunehmen: „Diese Kleinstaaterei bei Bauer ist betriebswirtschaftlich unsinnig und bewirkt vor allem die Schwächung von Arbeitnehmerrechten. Kein einziges Heft wird sich mehr am Kiosk verkaufen, nur weil es noch eine neue Minifirma gibt.“

* Redaktionen deco & style, Food & Foto, Gartenidee, kochen & genießen, Lecker, Rezepte pur, Tina Koch & Back-Ideen

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