Ausbildung: Zu oft Modem statt DSL

Die DGB-Jugend Hamburg hat gestern ihren Ausbildungsreport 2020 vorgestellt. 1.053 Jugendliche aus 31 Ausbildungsberufen wurden dafür befragt. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

– Zwei Drittel der Azubis sind zufrieden mit ihrer Ausbildung 

– 41 Prozent leisten regelmäßig Überstunden

– rund jeder zehnte muss regelmäßig ausbildungsfremde Tätigkeiten ausführen

– Die Hälfte der Befragten wussten auf Nachfrage noch nicht, ob sie von ihrem Betrieb übernommen werden 

Wiebke Oetken, DGB-Jugend Nord„Wer Azubis Überstunden aufbrummt oder den Boden wischen lässt, verhält sich unverantwortlich. Das sind keine Kavaliersdelikte, sondern Verstöße gegen das Gesetz. Mehr Jugendliche wollen außerdem eine klare Perspektive im Betrieb aufgezeigt bekommen. Die Unternehmen müssen hier deutlich nachbessern. Wir brauchen aber auch mehr Kontrollen und vor allen Dingen Sanktionen für nicht ausbildungsreife Betriebe.“

Laut BIBB (Bundesinstitut für Berufliche Bildung) bilden nur 17 Prozent der Hamburger Betriebe aus. Die Stadt ist damit Schlusslicht im westdeutschen Vergleich. Bundesweit liegt die Quote bei 20 Prozent.

Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger„Es ist mir völlig unverständlich, warum in Hamburg nur so wenige Unternehmen ausbilden. Wer über Fachkräftemangel klagt, muss in die Arbeitskräfte der Zukunft investieren. Unser Report zeigt außerdem, dass sehr viele Hamburger Jugendliche keinen Ausbildungsplatz bekommen, weil die Unternehmen eine Bestenauslese betreiben. Das alles bedeutet: Wir brauchen viel mehr Ausbildungsplätze in Hamburg.“

Ein Schwerpunkt des Ausbildungsreports ist die Digitalisierung. Ein Ergebnis: Rund die Hälfte der Hamburger Auszubildenden wird in ihren Berufen nicht gezielt für die Nutzung digitaler Technologien qualifiziert. Obwohl 80 Prozent finden, dass die Digitalisierung wichtig für ihren Beruf ist.

Fanny Weisser, ehemalige Auszubildende bei Airbus„Digitalisierung ist den Azubis wichtig, auch bei uns im Betrieb. Die Unternehmen müssen in diesem Bereich deutlich besser werden, angefangen bei der Bereitstellung von Geräten für ein digitales Ausbildungsnachweisheft über Lern-Apps bis hin zur Einbettung der voranschreitenden Automatisierung in die Ausbildungsinhalte.“

Auch an den Berufsschulen sehen die Jugendlichen Mängel: Nur knapp die Hälfte der Azubis beurteilen die technische Ausstattung ihrer Schulen als gut oder sehr gut. Nur ein Viertel sieht sich durch die Qualität des Unterrichts sehr gut oder gut auf den Umgang mit digitalen Medien vorbereitet.

Die DGB-Jugend hat gestern ihre regelmäßige Berufsschultour in Hamburg begonnen. Die ehrenamtlichen Teamer/innen werden dabei in zehn Tagen an fünf Schulen mit über 1.000 Azubis in Kontakt kommen. Ziel ist es, sie über ihre Rechte in der Ausbildung und Möglichkeiten der Mitbestimmung zu informieren, u.a. mit einem Projekttag in den Klassen und einem Infotisch auf dem Schulhof.

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