Arme sind häufiger krank

photocaseÃ?RZTE.jpegJe geringer das Einkommen, desto schlechter Gesundheitszustand und Versorgung – das belegt erneut eine Studie der Uni Leipzig. Insbesondere Arbeitslose sind gefährdet, stellt der DGB Hamburg fest, und fordert: Der Stigmatisierung von Arbeitslosen entgegenwirken, Gesundheitsreform gerecht gestalten!

Den Zusammenhang zwischen Gesundheitszustand und sozialem Status wurde einmal mehr durch die jüngste Studie der Uni Leipzig belegt: Danach leiden Arbeitslose unter einem vierfach höherem Sterberisiko als Erwerbstätige, die gleich alt sind. Die Techniker Krankenklasse teilte bereits vor rund einem Jahr mit, dass Arbeitslose mehr als dreimal so häufig von psychischen Erkrankungen betroffen sind als berufstätige Versicherte.

Angesichts der Massenarbeitslosigkeit auch in Hamburg mahnt der DGB Hamburg, der Stigmatisierung von Arbeitslosen entgegenzuwirken anstatt Erwerbslose durch immer restriktivere Gesetze und eine rigide Praxis weiter unter Druck zu setzen. Zudem müsse die geplante Gesundheitsreform auch für Menschen mit geringen Einkünften gerecht gestaltet werden.

Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg: „Arbeitslose und Menschen mit geringem Einkommen sind großem emotionalen Stress ausgesetzt: Ihnen fehlt die Anerkennung einer befriedigenden Erwerbstätigkeit und eine tagesstrukturierende Aufgabe – sie fühlen sich gesellschaftlich ausgestoßen, weil noch immer die Ideologie vorherrscht, dass der, der will schon eine einträgliche Arbeit findet. Sie können sich vieles von dem nicht mehr
leisten, was früher vielleicht selbstverständlich war, können nicht mehr mit den Freunden ,mithalten‘ und ziehen sich in die Isolation zurück. Und: Wer arm ist, hat den schlechteren Zugang zu Informationen etwa über Prävention, kann weniger für die Erhaltung oder Wiederherstellung seiner Gesundheit ausgeben, ernährt sich schlechter, wird häufiger krank, stirbt früher. Wenn diese Gesellschaft nicht endlich gegensteuert, wird das ,Phänomen‘ krank durch Arbeitslosigkeit zu einem Massenproblem.“

Seit der sog. Gesundheitsreform von 2004 spitzte sich die Situation für Menschen mit geringen Einkünften zu: Menschen nehmen vom Arztbesuch Abstand, weil sie sich die Praxisgebühr nicht leisten können, es gibt Patienten, die Rezepte nicht einlösen, weil ihnen die Zuzahlungen zu hoch sind, Leute, die mit schlechten Zähnen herumlaufen, weil sie kein Geld haben für Kronen, Brücken etc.

„Der Trend, dass gesetzlich Versicherte immer weniger Leistungen von ihren Krankenkassen (GKV) erhalten und dafür auch noch mehr zahlen müssen, wird sich durch die Gesundheitsreform, die derzeit diskutiert wird, noch verschärfen“, so Erhard
Pumm. „Insbesondere die Beitragssatzsteigerung um 0,5 Prozent ab 2007 sowie die verkappte Kopfpauschale, der Zusatzbeitrag, den gesetzlich Versicherte bei Geldknappheit ihrer Kasse alleine tragen sollen, stellen eine Benachteiligung für die meisten Arbeitnehmer und ihre Familien da. Die privaten Kassen werden nicht ausreichend an der Finanzierung
beteiligt.“

Gut verdienende Menschen seien in der Regel die gesünderen, und so wäre es absehbar, dass bei der GKV die Kosten steigen und damit ausgerechnet die weniger gut Verdienenden mit hohen Zusatzbeiträgen belastet würden“, kritisiert Hamburgs DGB-Vorsitzender. „Die Eckpunkte zur Gesundheitsreform kranken an Gerechtigkeit.

Deshalb hält der DGB an der Forderung nach einer Bürgerversicherung fest, bei der der Personenkreis der Pflichtversicherten und auch die Einkunftsarten (z.B. Kapitalerträge), auf die Krankenkassenbeiträge erhoben werden, erweitert gehörten. Nur so seien auf Dauer vernünftige Beiträge und Leistungen für alle möglich.

Pumm: „Die Krankenversicherung als ein Standbein der sozialen Sicherungssysteme muss solidarisch werden!“

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