Argumente gegen fragwürdige Behauptungen

Mit einer Postwurfsendung reagiert Jugendhilfe e.V. auf Behauptungen der Initiative „Unser Altona“ über den geplanten Umzug seiner Suchthilfeeinrichtungen ABC und Stay Alive in einen leer stehenden Gebäudekomplex in der Virchowstraße 15. Dort, in einer ehemaligen Gewürzmühle, sollen künftig Beratung, Ausstiegshilfen, ärztliche Behandlung, hygienische Drogenkonsumräume sowie Lebenshilfen und -training angeboten werden. Die Initiative will dies verhindern.

So argumentiert Jugendhilfe e.V.:

Die Initiative „Unser Altona“, bestehend aus einigen Gewerbetreibenden und Anwohnern, möchte den Umzug – entgegen eines einstimmigen Beschlusses der Bezirksversammlung – mit einem Bürgerbegehren unter allen Umständen verhindern und sammelt dafür Unterschriften. Mit dem Ergebnis von insgesamt 5580 Unterschriften wäre darauf folgend ein Bürgerentscheid möglich, bei dem die Mehrheit der abgegebenen Stimmen aller wahlberechtigten Einwohner Altonas über den Umzug von ABC und Stay Alive in die Virchowstraße 15 entscheiden würde.

Um für das Bürgerbegehren genügend Stimmen zu bekommen, bedient sich die Initiative „Unser Altona“ allerdings einiger fragwürdiger Behauptungen.

• So schreibt sie an die „Bürger von Altona“, dass eine soziale Integration der Hilfebedürftigen am Standort Virchowstraße
nicht möglich sei. Dazu sagen wir: Sucht ist eine Krankheit, die jeden betreffen kann und behandelbar ist. Die Möglichkeit zur sozialen Integration fängt damit an, dass es regionale Beratungs- und Behandlungsangebote für Suchtkranke und ihre Angehörigen gibt.

• Bezüglich des bisherigen Standorts des Stay Alive in der Davidstraße wird behauptet, dass es dort eine offene Drogenszene gebe. Der Revierleiter des Polizeikommissariats in der Davidstraße und Sozialarbeiter vor Ort haben solche Behauptungen in einer Anwohneranhörung vor 100 Zuhörern – unter ihnen auch viele Initiativenmitglieder – nicht bestätigt. 3

• Weiterhin schreibt die Initiative, das Umfeld der Virchowstraße 15 sei für Drogenverstecke besonders geeignet. Warum aber sollten Drogenabhängige in der Nähe einer Einrichtung, in der sie zu genau fest gelegten Sprechzeiten behandelt und beraten werden, überhaupt Verstecke anlegen – noch dazu in unmittelbarer Nähe und unter Beobachtung des Polizeikommissariats in der Mörkenstraße? Ein solches Szenario widerspricht unserer langjährigen Erfahrung mit solchen Einrichtungen in anderen Stadtteilen vollständig. Dann wird gesagt, die Räume in der Virchowstraße 15 seien durch Gewürzessenzen verunreinigt. Da fragen wir uns doch, warum der Eigentümer eines benachbarten Hauses für das Gebäude jetzt selbst ein Kaufangebot gemacht hat? Im Übrigen haben unsere Sachverständigen die Unbedenklichkeit für die geplante Nutzung bestätigt.

• Darüber hinaus wird ein Widerspruch zwischen dem Vorhaben des Bezirks für die Entwicklung des „Familienfreundlichen Quartiers Altona-Altstadt“ und der geplanten Suchthilfeeinrichtung in der Virchowstraße 15 konstruiert. Dabei gehört „Gesundheitsförderung“ zum Konzept eines „Familienfreundlichen Quartiers“ unabdingbar dazu und genau das wird im ABC
und Stay Alive gemacht. In diesem Zusammenhang möchten wir darauf hinweisen, dass Suchtprobleme auch vor Familien nicht halt machen und es für diese und das Kindeswohl besonders wichtig ist, ein Beratungs- und Behandlungsangebot vorzufinden.

• Geradezu verleumderisch argumentiert die Initiative, wenn unterstellt wird, dass bei der Standortplanung von ABC und Stay Alive wirtschaftliche Gewinne wichtiger erachtet werden als ein sozial ausgeglichener Stadtteil. Tatsache ist, dass Jugendhilfe e.V. ein gemeinnütziger Verein ist und seine Einnahmen nur für satzungsgemäße und selbstlose Zwecke ausgeben darf. Und die bestehen unter anderem in der Hilfe für Menschen, die von illegalen Suchtmitteln abhängig sind. Joachim Speicher, Geschäftsführer des PARITÄTISCHEN Hamburg, eines Dachverbandes für 1000 Einrichtungen im Sozial- und Gesundheitsbereich der Stadt: „Wir dürfen suchtkranke Menschen nicht ausgrenzen, sondern haben die soziale Verantwortung, sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Wir müssen den Menschen eine Chance geben, die in Einrichtungen wie ABC und Stay Alive Beratung und Unterstützung beim Ausstieg aus der Sucht suchen“.

Wir sind überzeugt davon, dass es in der Virchowstraße ein gutes Miteinander von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Jugendhilfe e.V. geben kann und bestehende Strukturen nicht geschädigt werden. Um dies zu unterstützen, hat die Bezirksversammlung die Einrichtung eines Runden Tisches beschlossen. Bei diesen Treffen sollen mit den Anwohnern, einem Amtsvertreter, einem Vertreter der Bezirksversammlung, einem Sachverständigen aus dem Suchtbereich, Polizei und Jugendhilfe e.V. aktuell auftretende Fragen oder Probleme besprochen und gelöst werden. Jugendhilfe e.V. trägt diese Entscheidung aktiv mit und wird alles tun, um sie wirkungsvoll umzusetzen. Mehr erfahren Sie in unserem Informationsblatt.


Informationen zu Jugendhilfe e.V.:

Wir unterstützen Menschen mit Suchtproblemen und sind in der Wohnungslosenhilfe aktiv. Zu diesem Zweck engagieren wir uns in der öffentlichen Gesundheitspflege, der Sozialarbeit, der Jugendhilfe und der Rehabilitation. Jugendhilfe e.V. arbeitet gemeinnützig und ist Träger ambulanter sowie stationärer Einrichtungen: Drogen- und Suchthilfe Kontakt- und Beratungsstellen, Integrierte Drogen- und Suchtberatung, Therapieeinrichtungen, Übergangseinrichtungen und Wohnprojekte, Wohnungslosenhilfe.

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